{"id":2191,"date":"2019-02-17T09:59:14","date_gmt":"2019-02-17T08:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.yggdrasils.de\/?p=2191"},"modified":"2019-04-10T15:37:16","modified_gmt":"2019-04-10T13:37:16","slug":"buy-local-aber-wie-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.yggdrasils.de\/?p=2191","title":{"rendered":"Buy local! &#8211; Aber wie? (Teil 1)"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Achtung, das wird ein langer Text. &#8211; Ich freue mich, wenn du ihn trotzdem (oder gerade deswegen?) liest.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Internet ist eine tolle Erfindung. Trotz Datenklau, Trollen und Fake-News \u00fcberwiegen f\u00fcr mich die Vorteile: <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist so einfach geworden \u00fcber seinen eigenen Tellerrand zu blicken. Der Austausch \u00fcber Stadt- und L\u00e4ndergrenzen hinweg ist so selbstverst\u00e4ndlich, wie der Austausch \u00fcber den Gartenzaun hinweg. Man lernt andere Sichtweisen und Meinungen kennen und nat\u00fcrlich auch andere Menschen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich f\u00fchrt das auch zu einem anderen Kaufverhalten: Man kann auf das Warenangebot der (nahezu) ganzen Welt zur\u00fcckgreifen. Das gilt auch f\u00fcr unsere Hobbies:<br>Projektbeutel in Indien bestellen? Kein Thema! <br>Es gibt da einen neuen Indie-Dyer in Kanada? Ein paar Klicks und schon ist traumhaftes Garn zu dir auf dem Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das wei\u00dft du sicherlich. <br>Mulesing in Australien und Neuseeland, Pakete schleppen zu Hungerl\u00f6hnen und hohe CO2-Emissionen sind nur ein paar g\u00e4ngige Stichworte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie bei so vielem stellt sich mir die Frage hier nach der Ausgewogenheit. Ich verwende &#8220;internationale Wolle&#8221; und m\u00f6chte auch kleine Unternehmen unterst\u00fctzen, egal wo sie herkommen. <br>Aber warum immer so weit schauen? Es sollte doch auch vor der eigenen Haust\u00fcr M\u00f6glichkeiten geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gibt es auch, nur sind sie nicht immer so offensichtlich. Wenn ich nun vor Ort, bzw. lokal kaufen m\u00f6chte, gilt es zun\u00e4chst zu definieren, was das f\u00fcr dich \u00fcberhaupt ist. Ich w\u00fcrde beispielsweise durchaus einen Anbieter aus den Niederlanden als lokal ansehen, einfach weil ich in relativer Grenzn\u00e4he wohne. <\/p>\n\n\n\n<p>Da ich nicht wissen kann, wo du herkommst, beschr\u00e4nke ich mir vorerst auf deutsche Anbieter. (Vermutlich weite ich das Ganze zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt aus.)<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es weitere M\u00f6glichkeiten, lokale Anbieter zu definieren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Es wird lokal gearbeitet, also z.B. gef\u00e4rbt.<\/li><li>Es wird lokal hergestelltes Garn verwendet, also etwa importierte Wolle in einer Spinnerei in der N\u00e4he verarbeitet. Das beinhaltet nat\u00fcrlich auch diverse gro\u00dfe Hersteller von Industriegarnen.<\/li><li>Das Rohmaterial stammt von heimischen Tieren.<\/li><li>Kombinationen der o.g. M\u00f6glichkeiten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Im ersten Schritt m\u00f6chte ich auf ein vielleicht eher kontroverses Thema eingehen: Garne von heimischen Tieren, im speziellen Schafen. (Kontrovers, weil die Wolle von deutschen Schafen\/ Schafrassen oft als zu kratzig empfunden wird. &#8211; N\u00e4heres weiter unten.)<\/p>\n\n\n\n<p>Also:<br>Wie kann ich also auch lokale Anbieter unterst\u00fctzen? <br>Gibt es hier \u00fcberhaupt Hersteller vor Ort?<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, zun\u00e4chst einmal: Lokale Hersteller sind in Deutschland nicht so leicht zu finden. Im Gegensatz zu Gro\u00dfbritannien, die weltweit die meisten Schafrassen haben, ist Deutschland in dem Punkt mehr oder weniger ein Entwicklungsland. Nat\u00fcrlich gibt es lokale Rassen. Bis in die 1950er Jahre wurden Schafe hierzulande auch sehr stark auf ihre Wolleigenschaften gez\u00fcchtet. (vgl. Wikipedia &#8220;<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Hausschaf (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hausschaf\" target=\"_blank\">Hausschaf<\/a>&#8220;), danach wurde die Schafwolle durch Baumwolle und moderne (Kunst-)Fasern zur\u00fcckgedr\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute werden Schafe haupts\u00e4chlich als Landschaftspfleger eingesetzt. Ber\u00fchmt ist daf\u00fcr beispielsweise die Heidschnucke, die verhindert, dass die hiesigen Heidelandschaften verwalden und damit ein \u00d6kosystem vernichtet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem alten Zeitungsartikel der Westf\u00e4lischen Nachrichten, den ich leider nicht mehr wiederfinde, beklagte sich ein Sch\u00e4fer dar\u00fcber, dass sich die Haltung kaum noch lohne. So eine Herde macht eben viel Arbeit, aber die Vermarktung liefe schleppend. Scheren sei oft ein notwendiges \u00dcbel, Geld f\u00fcr Wolle erhalte man daf\u00fcr so gut wie keins. Die Wolle wird daher oft kompostiert bzw. als D\u00fcnger untergegraben.<br>(F\u00fcr unseren Garten habe ich \u00fcbrigens interessehalber letztens D\u00fcnger mit Schafwolle von einem namhaften D\u00fcngerhersteller gekauft.)<br>Ist es da nicht also an der Zeit, sich vor der eigenen Haust\u00fcr umzuschauen? Man muss ja nicht vollkommen auf Lokales umsteigen &#8211; daf\u00fcr gibt es in der Welt einfach auch zu viele andere sch\u00f6ne Garne, aber vielleicht nicht alles zu importieren, w\u00e4re doch was, finde ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man als Laie an Schafwolle denkt (sofern ein Laie das \u00fcberhaupt tut), kommen einem wahrscheinlich 2 Dinge in den Sinn:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Kratziges, hartes, fast untragbares Zeug das man nur anzieht, wenns nix anderes gibt &#8211; also nach M\u00f6glichkeit gar nicht.<\/li><li>Merinowolle.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Klar, gibt es heute immer noch die kratzige, harte Wolle. In erster Linie ist Wolle nunmal dazu da, das Schaf vor Wettereinfl\u00fcssen zu sch\u00fctzen. Auch wenn die Durschschnittstemperatur dank Klimawandel auch hier weiter ansteigt, kann es doch in einem Gro\u00dfteil des Jahres ungem\u00fctlich werden. Also bildet das Schaf eben entsprechende Wolle: Unempfindlich und w\u00e4rmend.<\/p>\n\n\n\n<p>Das m\u00fcndet dann eben in eine durchschnittlich h\u00f6here Micron-Zahl. Schaut man sich die bekanntesten Schafrassen z.B. <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"hier  (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.purewol.de\/wolltr\u00e4ger#filter:222655d07cd45b11d7d8d6f3da573817\" target=\"_blank\">hier <\/a>an, so finden sich unter den deutschen Rassen kaum welche mit einer kleinen Micron-Zahl, also weicher Wolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Kommt das Merino-Schaf mit einem Wert von 18-24 Micron (fein) daher, finden sich unter den Rassen aus dem deutschsprachigen Raum nur diese Rassen mit einer Wertung von &#8220;relativ fein&#8221;:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Coburger Fuchsschaf (26-33 Micron)<\/li><li>Leineschaf (25-34 Micron)<\/li><li>Ostfriesisches Milchschaf (25-33 Micron)<\/li><li>Schwarzk\u00f6pfiges Fleischschaf (27-32 Micron)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><em>Quelle: <\/em><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Purewool (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.purewol.de\/wolltr\u00e4ger#filter:222655d07cd45b11d7d8d6f3da573817\" target=\"_blank\"><em>Purewool<\/em><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Woll-Feinheit der hiesigen Rassen beginnt also \u00fcblicherweise knapp dar\u00fcber, wo die des Merino endet. <\/p>\n\n\n\n<p>Also kann man hier kein kuschelweiches, schmusiges Garn erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber: Untragbar ist es ebenfalls nicht und meistens auch von einem &#8220;Stacheldraht-Gef\u00fchl&#8221; weit entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich gibt es immer Menschen, die rauhere Fasern nicht vertragen. Glaub mir, ich kann ein Lied davon singen. Ich habe 2009 angefangen zu stricken und so ca. 2010\/2011 angefangen mich selbst zu desensibilisieren. Denn bis dahin konnte ich nichtmal das schmusigste Merinogarn verstricken oder gar anziehen. Einzelheiten zu dem, was da mit meiner Haut passiert ist, erspare ich dir lieber. <br>Nach und nach habe ich mich dann gesteigert. Immer mal wieder ausprobiert und testweise verstrickt. Heute trage ich beispielsweise Garne wie <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Holst Supersoft (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/holst-garn.de\/wolle.php?wolle_id=17\" target=\"_blank\">Holst Supersoft<\/a> auf der Haut.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn du also mutig bist, gehe gern mit mir auf eine kleine Reise durch die deutschsprachige Woll-Welt.<br>Dabei entdecke ich selbst auch eine Menge Neues.<\/p>\n\n\n\n<p>Geplant habe ich bisher diese Themen in jeweils einen Beitrag zu verwandeln:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Lokale Schafrassen &#8211; lokale Sch\u00e4fereien<\/li><li>Rassen aus der ganzen Welt &#8211; lokale Sch\u00e4fereien<\/li><li>Andere Fasern tierischen Ursprungs lokal beziehen<\/li><li>\u00dcber den Tellerrand &#8211; wie sieht&#8217;s bei unseren Nachbarn aus?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><em><strong>Wenn du Quellen kennst (z.B. Sch\u00e4fer*innen, Online-Shops) oder Informationen zu diesem Thema hast (z.B. weiterf\u00fchrende Links, Literaturhinweise), melde dich gern bei mir.  <\/strong><\/em><br><em><strong>Vielleicht h\u00e4ltst du auch Schafe oder andere Tiere, die Fasern f\u00fcr Garne produzieren. Daran habe ich ebenfalls Interesse.<\/strong><\/em><br><strong><em>Du kannst mich hier erreichen:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong><em>E-Mail: das_baeumchen@gmx.net<\/em><\/strong><\/li><li><strong><em>Ravelry: yggdrasil82<\/em><\/strong><\/li><li><strong><em>Instagram: yggdrasil82 <\/em><\/strong><\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Achtung, das wird ein langer Text. &#8211; Ich freue mich, wenn du ihn trotzdem (oder gerade deswegen?) liest. Das Internet ist eine tolle Erfindung. Trotz Datenklau, Trollen und Fake-News \u00fcberwiegen f\u00fcr mich die Vorteile: Es ist so einfach geworden \u00fcber seinen eigenen Tellerrand zu blicken. 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