Warum ich kein Veganer bin – Nachtrag

Bei meinem ersten Beitrag dazu hat Amala folgendes geschrieben:

mich irritiert in dieser ganzen diskussion immer das wort “natürlich” (oder “naturnah”). wie natürlich ist eine zentralheizung?

ich verstehe auch nicht recht, woher das bedürfnis kommt, daß nicht-vegan lebende menschen sich dafür rechtfertigen, sich erklären. wenn es für dich ok ist, dich omnivor zu ernähren und lederschuhe zu tragen, dann ist doch die meinung anderer völlig egal.

peace!

Eins vorweg: Amala, du hast Recht. Immerhin leben wir nicht in einer natürlichen Welt, sondern in einer, die wir selbst so stark verändert und angepasst haben, wie nie ein Lebewesen vor uns auf diesem Planeten. Alles um uns herum ist auf irgendeine Art und Weise künstlich, sei es das Haus, in dem wir leben (mit Zentralheizung 😉 ) ,  die von uns gezüchteten Tiere, die wir (also einige zumindest) essen oder auch das Obst und Gemüse, dass wir aus Gärten oder von Feldern ernten.

Deswegen ist das Wort “natürlich” im Zusammenhang mit Ernährung wohl nicht ganz das Richtige für das, was ich eigentlich meine. Vielleicht würde “unverarbeitet” besser passen?! Denn eigentlich geht es für mich im Wesentlichen um so Dinge wie z.B. Margarine, Vleisch und andere stark verarbeitete Nahrungsmittel. Im Bereich Kleidung und auch bei Haushaltswaren kritisiere ich eher den Bereich “Nachhaltigkeit”. Es will nicht so recht in meinen Kopf, warum man unbedingt Waren konsumiert, die aus einer endlichen Ressource, nämlich Erdöl, gemacht werden, wenn es doch nachhaltigere Möglichkeiten gibt (Eben z.B. Leder). Natürlich kommt hier wieder der Tierschutzaspekt – ich sehe es auch so, dass die Tierhaltung heute zum allergrößten Teil untragbar ist. Ich denke, wir kennen alle die Bilder, der eine oder andere war vielleicht schon mal selbst in einer Halle mit Käfighühnern, Mastschweinen etc. – Meine Sicht ist nur diese: Tiere haben sich uns vor vielen, vielen Jahrtausenden den Menschen angeschlossen weil sie einen Vorteil davon hatten: Schutz, Pflege, Versorgung. Im Gegenzug dazu wurden sie irgendwann getötet und aufgegessen. Bis dahin hatten sie aber ein gutes Leben und der Fortbestand der Art war ebenfalls gesichert. Es ist also eine Art Symbiose, ein Geben und Nehmen. Deswegen ist es für mich persönlich (tja, da ist es wieder…) “natürlich”. Das wir den Respekt vor diesen Lebewesen verloren haben, ist mir – wie gesagt – durchaus bewusst. Deswegen macht es für mich einen Unterschied ob ich (wie eine Bekannte vor Jahren mal sagte) “anonyme Tierleichen” aus dem Supermarkt kaufe von gequälten Tieren, die ihr Leben lang kein natürliches Sonnenlicht gesehen haben, oder vom Bauern in der Gegend oder eben von einem Betrieb, bei dem kontrolliert wird, wie die Tiere dort leben. Dafür muss es eben auch nicht Bio sein, solange man dem “Erzeuger” (seltsames Wort… ) trauen kann.

Ich bin ein Freund der goldenen Mitte. Es heißt also nicht, dass ich denke oder gar fordere “Benutzt ab sofort keine Plastikdosen mehr” oder “Nieder mit den Plastikschuhträgern” 😉 und auch ich verwende diese “bösen” Materialien, kaufe dann und wann industriell vorgefertigte Waren (Blätterteig selbst machen? Never ever!) aber ich würde mich nicht für eine Lebensweise entscheiden wollen, in der ich auf eine verarbeitete Möglichkeit zurückgreife, wenn doch ohne großen Aufwand auf eine unverarbeitete zurückgreifen kann. Auch möchte ich mich nicht unbedingt rechtfertigen, sondern einfach nur meine Sicht der Dinge erklären. Wie gesagt: Ich bin offen für Vieles und würde wahnsinnig gern mal so richtig in Echtigkeit (wie man hier sagt 😉 ) vegan essen.

Es liegt mir fern jemandem meine Meinung oder meinen Lebensentwurf aufdrücken zu wollen und ich weiß, ich bin da ein Träumer, aber ich erwarte das auch von anderen. Das fängt bei den Zeugen Jehovas an, die mir ihren geistigen Lebensentwurf “verkaufen” möchten und geht über viele Lebensbereiche eben bis hin zur Ernährung oder auch dem Kauf von Wolle. Leider sehen das andere Menschen anders und man wird schon dann und wann nicht für voll genommen, abwertend behandelt oder einfach abgekanzelt mit “die hat ja eh keine Ahnung”. Und das finde ich schade. Wir könnten alle so viel voneinander lernen.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich meine Gedanken wirklich so wiedergegeben habe, wie ich es wollte – also schreibt mir gerne wenn euch Sachen unklar sind, wenn ihr Ergänzungen habt, wenn ihr etwas anders seht (und warum) und natürlich auch gern, wenn ihr etwas so seht wie ich. 🙂

4 Gedanken zu „Warum ich kein Veganer bin – Nachtrag

  1. Amala Krähenfeder

    ich denke, vegan und unverarbeitet ist durchaus möglich, mit urkost. da geht es ja gerade darum, daß man rein gar nichts verarbeitetes zu sich nimmt, sondern sogar jeden tag einen hohen anteil von wildwachsenen pflanzen verzehrt. wenn man urkost macht, braucht man nicht mal mehr vitamin b12 zu supplementieren, weil diese wilde nahrung eben noch ein gerüttelt maß “schmutz” = bakterien und co. anhaften hat.

    um nochmal zur grundsätzlichen diskussion zwischen veganern und omnivoren zurückzukommen: ich habe neulich einen sehr aufschlußreichen artikel in der zeitschrift “spektrum der wissenschaft” gelesen. es ging darum, wie wir uns genetisch an das vorhandene nahrungsangebot anpassen. nach diesem artikel ist die these, daß wir fleisch & tierisches eiweiß brauchen, weil es schon seit 100000 so ist, nicht länger haltbar, denn die forscher haben nachgewiesen, daß sich der menschliche körper sehr schnell an das veränderte nahrungsangebot anpaßt. leider ist der artikel nicht komplett lesbar, sondern muß gekauft werden, aber ich verlinke ihn trotzdem mal: http://www.spektrum.de/alias/anthropologie/evolution-und-esskultur/1121039

    ich halte für wahrscheinlich, daß unsere eßgewohnheiten mehr einfluß auf das haben, was wir tatsächlich essen bzw. als für uns “richtige” kost empfinden, als das, was wir physiologisch brauchen würden.

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    1. yggdrasil Beitragsautor

      Urkost sagt mir jetzt erst einmal nichts. Steinzeitkost kenne ich, aber hier wird der Schwerpunkt auf den Verzicht von Kohlenhydraten gelegt, bzw. auf eine Eiweiß- und Fettreiche Ernährung. Ich mach mich dazu mal schlau. Spontan – davon ausgehend, was du schreibst – stellt sich mir erst einmal die Frage: Wie alltagstauglich wäre diese Ernährung? Wo finde ich Gemüse, an dem genug “Dreck” zu finden ist? Als Stadtmensch, ggf. mit kleinem Einkommen wäre das doch sicher schwierig bis unmöglich, oder?

      Vielen Dank für den Link. Ich muss mal schauen, ob ich das Geld investiere. Die Frage wäre, wie schnell passt sich der Mensch an? Gerade wenn ich mir die mit Zucker und leeren Kohlenhydraten zugebombte Fertignahrung aus dem Supermarkt so anschaue – von den ganzen Zusatzstoffen, die drin sind, mal ganz abgesehen – und dann eine Relation zu dem Übergewicht in unserer Gesellschaft herstelle. Natürlich liegt es nicht bei allen daran, gibt ja immer viele Faktoren… Hm, hm. Schwieriges Thema.

      Bei dem Einfluss von Lebens-Mitteln auf unseren Körper bin ich ganz bei dir.

      LG

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      1. Amala Krähenfeder

        für den täglichen “dreck-anteil” geht man wildpflanzen sammeln. da wird nur die grob anhaftende erde entfernt, aber sie werden nicht gewaschen. die urköstler argumentieren, daß die sammelspaziergänge unbedingt zur urkost dazugehören, für genug bewegung und vitamin d.

        ich bewundere das ja sehr, wenn leute das konsequent durchziehen, aber selbst mir auf dem dorf wäre das zu nervig….

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        1. yggdrasil Beitragsautor

          Eben. Das meine ich ja mit “nicht praktikabel”. Allein wenn jemand Vollzeit arbeitet – oder Familie hat – oder mitten in der Stadt lebt – oder auf irgendeine Art und Weise gehandicapt ist. Das ist ja ein Riesenaufwand, der sich mit unserer Lebensweise (leider?) nur sehr schwer vereinbaren lässt.

          LG

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