Warum ich kein Veganer bin

Nun ist wieder das passiert, was ich vermeiden wollte: Mein Blog lag wieder mal brach. Ich gelobe Besserung, weiß aber – wie immer *hrmpf* – nicht, wie gut ich sie einhalten kann. Mein Versuch dies wieder gutzumachen startet dieses Mal mit einem Thema, dass ich schon seit Monaten formulieren wollte und wo der Text immer nicht gut genug das auszudrücken schien, was ich eigentlich sagen wollte.

Ursprünglich bin ich durch die Blogs von Alexis Solvey und der Flauschglitzerwelt darauf gekommen, dass scheinbar hierzu noch Gesprächsbedarf besteht. Nachdem ich meinen Beitrag dazu x-mal umgeschrieben habe, lag er lange Zeit als Entwurf auf meinem Blog herum. Heute habe ich nun einen Blogeintrag gesehen, der meine Meinung, mein Gefühl zu diesem Thema nahezu vollständig trifft. Karmindra hat ihn verfasst und ich kann ihr nur “Danke” sagen.

Im Gegensatz zu ihr lebe ich jedoch omnivor, versuche aber häufig vegetarisch oder vegan zu kochen. Ich bin ein Genussmensch (was man leider auch an meiner Figur sehen kann 😉 ) und ich halte nichts davon mich allzusehr selbst zu kasteien. Es gibt Dinge, die tue ich aus ethischen Gründen, aber vegan zu leben gehört für mich nicht mit dazu. Ein Punkt, den Karmindra nicht erwähnt hat, für mich ist z.B., dass Veganer auf Leder verzichten. Aber was nutzen sie stattdessen für Schuhe, Taschen, etc.? – 100% natürliche Materialien wahrscheinlich auch nicht. Vielfach wird es Kunstleder sein. Was genau das eigentlich ist, könnt ihr hier nachlesen. Wer die Kurzfassung lesen will: Es wird unter Zuhilfenahme von Kunststoffen hergestellt, also der bekanntermaßen sehr limitierten Ressource Erdöl. Für mich persönlich ist das ein Grund, diese Produkte zu meiden. Ich trage hingegen lieber Lederschuhe, die ich pflege und die mir daher einige Jahre lang erhalten bleiben.

Natürlich soll jeder so leben, wie er es möchte. Ich bin auch sehr gerne bereit veganes Essen zu probieren. (Leider hatte ich bisher noch nicht die Gelegenheit dazu von einem echten Veganer bekocht zu werden, aber auch wir kochen dann und wann vegan und es schmeckt.) Wenn ich alleine schon die Beiträge bei der zombiekatze anschaue, all diese wunderbaren Fotos, läuft mir das Wasser im Mund zusammen…

Aber wie ernähre ich mich nun? Dazu füge ich hier einige Passagen aus meiner ursprünglichen Beitragsvorlage ein:

Mir ist es Wichtig, dass die Lebens-Mittel (ja, das ist mit Absicht so geschrieben 😉 ) aus möglichst guter Quelle stammen. Dabei stehe ich auch des Öfteren vor dem Dilemma, dass Leo Hickman in seinem (übrigens großartigem) Buch “Fast nackt” beschrieben hat: Was ist ethisch korrekter? Bio oder Regional? Sind Bio-Mango ethisch korrekter als konventionell angebaute Gurken beim Bauern im Dorf nebenan? Eine schlüssige Antwort habe ich für mich da auch noch nicht gefunden, bis dahin gilt meine übliche Maxime: Die goldene Mitte macht es.

Ich esse nun Fleisch im speziellen aus geschmacklichen und kulturellen Gründen. Es gibt durchaus Fleisch, dass ich nicht esse, Schweinefleisch z.B. Ich mag es nicht, es hat so einen unangenehm scharfen Beigeschmack und kann es verstehen, wenn Menschen aus muslimischen Ländern, Menschen aus westlichen Ländern als “Schweinefleischfresser” beschimpfen (also nicht das Beschimpfen, sondern die Einstellung dazu). Man riecht es. Mein Freund z.B. isst Schweinefleisch, also haben wir im Kühlschrank öfters Salami, Mettwurst und Co. Wenn ich den Kühlschrank öffne, dann wird mir übel – es riecht wirklich streng. Mein Freund hingegen riecht es nicht.

Das ich Fleisch aus geschmacklichen Gründen esse, bedeutet aber auch, dass ich es – naturgemäß – probieren muss. Dabei gibt es für mich Grenzen des guten Geschmacks. Die berühmten Affenhirne, die man aus den noch lebenden Tieren löffelt sind da ein abstoßendes Beispiel. Die Würde des Tieres muss gewahrt bleiben!

Am Liebsten kaufe ich Lebens-Mittel in Hofläden, auf regionalen Märkten oder im Bioladen.

Dabei stelle ich mich nicht, wie von Distelfliege in ihrem Podcast (es ging um LOHAS) kritisiert, über andere nur, weil sie eben nicht so bewusst konsumieren wie ich. Ich bin auch lange nicht konsequent in dieser Hinsicht. Schon alleine, weil es unser Geldbeutel nicht auf Dauer hergibt. Aber wir versuchen unser möglichstes. Das bedeutet auch, dass es nicht jeden Tag Fleisch zu essen gibt.

Außerdem verzichte ich, soweit praktikabel, auf zu stark verarbeitete Lebensmittel. Das Meiste was wir kaufen sind wirklich “Rohwaren”, also Mehl (ich muss sagen: Eine eigene Getreidemühle wäre mein Traum. In Anbetracht der Preise aber dann doch leider eher Utopie), Eier, Milch, Gemüse, Obst, Fleisch. Fertige Gewürzmischungen mit Geschmacksverstärkern meide ich wo es geht, weil ich z.B. Mononatriumglutamat nicht vertrage. Ich mag aber die Mischungen von Herbaria sehr gerne, allerdings sind die auch Bio.

Wie ich auch schon bei der Flauschglitzwelt geschrieben habe, lege ich Wert auf Naturnähe. Wenn es nötig wäre, würde ich auch einem Huhn, das ich essen möchte, selbst den Kopf abschlagen. Allerdings gibt es viele Menschen, die das besser können und das Huhn damit wenigstens schnell stirbt. Deswegen (und mangels eigener Nutztiere) überlasse ich es eben diesen Menschen.

Also: Jeder wie er will und mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Welt gehen, nur dann entdeckt man Neues.

7 Gedanken zu „Warum ich kein Veganer bin

  1. Susi

    Ich bin auch ein Omnivor – mit Hang zum vegetarischen. Ich sehe das Problem woanders.
    Es gibt viele Veggies und Veganer, die sich entweder mit aller Gewalt rechtfertigen, weil sie so leben – warum eigentlich?! Und dann wird ständig auf den Fleischessern rumgehackt, weil diese ja tote Tier essen. *Ironiemodus an* Dafür fressen die Veggies den Tieren das Futter weg. *Ironiemodus aus*.

    Und Vegetarier zu sein, ist keine neuzeitliche Erfindung. Die Essensform gibt es schon ewig und drei Tage. Nur wird momentan ein Hype gemacht drum, es ist nimmer feierlich. Und das finde ich persönlich gesag, zum k***** – es wird rumgemacht, als wäre es eine neue Weltreligion.

    Wenn jeder JEDEN einfach nach seinem Plaisier leben lassen würde, dann wäre es doch ok und es gäbe keine Streitereien und Diskussionen. Soll doch jeder machen, was er will.

    LG Susi, die auch momentan nur mäßig bloggt

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    1. yggdrasil Beitragsautor

      Hallo Susi,

      vielen Dank auch dir für deinen Kommentar.

      Ich sehe das wie du: Ein bisschen mehr Toleranz und Verständnis stünde den meisten Menschen gut zu Gesicht.

      LG

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  2. Amala Krähenfeder

    mich irritiert in dieser ganzen diskussion immer das wort “natürlich” (oder “naturnah”). wie natürlich ist eine zentralheizung? 😉

    ich verstehe auch nicht recht, woher das bedürfnis kommt, daß nicht-vegan lebende menschen sich dafür rechtfertigen, sich erklären. wenn es für dich ok ist, dich omnivor zu ernähren und lederschuhe zu tragen, dann ist doch die meinung anderer völlig egal.

    peace! 🙂

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    1. yggdrasil Beitragsautor

      Liebe Amala,

      vielen Dank für deinen Kommentar. 🙂
      Ich denke, ich werde zu meiner Sicht noch mal einen kleinen Artikel verfassen und mich ausführlicher dazu äußern. Eins vorab: Nicht alle sehen das so entspannt wie du. 😉

      LG

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      1. Amala Krähenfeder

        ich habe das am anfang meiner veganen ernährungsreise auch nicht entspannt gesehen, da will ich gar nicht so tun. ich habe nur die erfahrung gemacht, daß es mir selbst nicht guttut, ständig im clinch mit omnis / veggies zu liegen. führt ja auch zu nix.

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  3. flauschglitzerwelt

    Huhu Du liebe 😀
    Ich kenne da im Moment auch. Mein Blog schläft auch mehr als das er wach ist. Aber was solls? Alles hat seine Zeit. 🙂

    Schön hast du es geschrieben, kann ich so unterschreiben! Heutzutage is es furchtbar schwer, ‘richtig’ zu leben. Drum versuche ich so zu leben, dass ich noch in den Spiegel blicken kann.

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    1. yggdrasil Beitragsautor

      Vielen Dank für deinen Kommentar. 🙂

      Wenn das Wetter draußen wieder schlechter wird (wir hatten heute den ersten richtig fiesen Nebel des Jahres) dann sind Zeit und Muße etwas zu bloggen wohl auch wieder mehr vorhanden.

      Ich weiß, dass diese Gedanken ein Produkt unserer Wohlstands- und Überflussgesellschaft sind. Würden wir um unser Überleben kämpfen müssen, würden wir solche Diskussionen sicherlich nicht führen. Dennoch ist es die Gesellschaft, die Umgebung in der wir leben und das macht vieles leichter, aber lange nicht alles – warum sonst sehnen sich so viele heute nach “Downshifting” und Vereinfachung des Lebens, der Umstände, der Gesellschaft?

      LG

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